Bild- & Videorechte

Bild- und Videorechte sind äusserst komplex - vor allem deshalb, weil sie sich auf mehrere unterschiedliche Vorstellungen und Normen berufen. Da gibt es einerseits das Urheberrecht (der Photograph bzw. Filmer) und der der das Bild bzw. den Film erworben hat (Verwertungsrechte). Andererseits muss man rechtlich aber auch bedenken, was am Photo/Film zu sehen ist: Menschen, Tiere, Produkte, Gegenstände - oder hört man eventuell Musik im Film die einem Künstler gehört? Weiters ist auch noch der Datenschutz zu bedenken.

Auf dieser Seite möchte ich ein wenig Licht in den §-Dschungl speziell für Unternehmer bringen - erhebe jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit und Gültigkeit:

1. PERSÖNLICHKEITSRECHTE

Grundsätzlich gilt, jeder hat das Recht auf sein eigenes Bild (§ 78 UrhG) und durch die Veröffentlichung von Fotos dürfen berechtigte Interessen der Abgebildeten nicht verletzt werden. Was wenige wissen, ist, dass auch der mit dem veröffentlichten Bild oder Video zusammenhängende Text und der Gesamtzusammenhang der Veröffentlichung zu berücksichtigen ist. Das Bild oder Video darf jedenfalls nicht entwürdigend, herabsetzend, entstellend oder bloßstellend wirken. Auch darf das Privatleben ("Intimsphäre") nicht der Öffentlichkeit preisgegeben werden oder ein Bild für Werbezwecke verwendet werden!

Eine Veröffentlichung eines Bildes kann nur mit Einwilligung der photografierten Person(en) geschehen. Dies ist unabhängig der Personenzahl. Die Einwilligung kann schriftlich, mündlich oder auch konkludent erfolgen. Konkludent ("stillschweigende Willenserklärung") wäre zum wenn die photographierten Personen erkennen, dass sie photografiert (gefilmt) werden und dabei für die Kamera lächeln oder posieren.

Oftmals versuchen Unternehmer mittels einer Generaleinwilligungen z. B. in den AGBs dies zu erklären.

Aussnahmen gibt es - und zwar bei einem öffentlichen Event (Versammlung, Faschingsumzug, Demonstrationen). Hier ist es aber notwendig, dass der Event im Mittelpunkt steht und nicht die teilnehmenden Personen.

  1. Eindeutige Zustimmung Man darf zum Beispiel nicht das Bild eines Gastes der die Zustimmung für eine Veröffentlichung des Bildes auf Facebook erlaubt hat, dann später in einen Werbebanner einbauen.
  2. Bei Kindern (unter 14) bedarf es eine Einwilligung (schriftlich, mündlich, konkludent) der Eltern.
  3. Bei Mitarbeitern die auf der Unternehmens-Webseite oder im Hotelprospekt abgedruckt wurden benötigt man ebenfalls eine Zustimmung - und zwar für jede einzelne Veröffentlichung, denn ein Photo oder Video ist nicht Teil der geschuldeten Arbeitsleistung. Wenn es solche eine die Zustimmung für die Webseite erteilt wurde, heisst nicht, dass man das Bild auch im Hotelprospekt abdrucken darf. Es empfiehlt sich hier die Mitarbeiter zu sensibilisieren und eventuell in Arbeitsverträgen und Betriebsvereinbarungen auf den Umstand hinzuweisen, dass Bilder und Videos zum Beispiel für die Social Media Aktivitäten des Unternehmens angefertigt werden.

Liegt einmal eine Zustimmung vor, ist die Veröffentlichung immer zulässig. Ein späterer Widerruf ist nur in Ausnahmefällen bei Vorliegen wichtiger Gründe möglich.

2. URHERBERRECHTE

Mit der Erschaffung eines Photos oder Videos entsteht ein Urheberrrecht. Dabei ist es unabhängig ob das Bild von einem Professionisten oder einer Privatperson erstellt wurde. So ist jedes Urlaubsphotos mit dem Handy rechtlich gleichwertig zu behandeln wie ein Profiphoto. Der Urherber ist der der das Photo gemacht hat - nicht der der das Photo beauftragt hat. Der Urheber hat das alleinige Recht zu entscheiden, was mit dem von ihm geschossene Photo oder gedrehten Film geschieht. Ohne seine Zustimmung dürfen andere Personen die Werke nicht nutzen, sofern der Urheber der Nutzung nicht zugestimmt hat. Die Veröffentlichung von Photos im Internet wird jedoch grundsätzlich immer der Zustimmung des Urhebers bedürfen.

Die Veröffentlichung von eigenen Fotos im Internet stellt keine Einwilligung zur Veröffentlichung durch Dritte dar. Werden vom Urheber Photos oder Videos in soziale Netzwerke gestellt, so erteilt man ("stillschweigend") die Zustimmung, dass diese durch Dritte in ebendiesen geteilt werden dürfen, da dies ja Sinn und Zwecke von Sozialen Medien ist.

Dem Urheber steht übrigens das Recht auf Urhebernennung zu. Er kann aber selbst entscheiden, ob und wie seine Photos oder Videos gekennzeichnet werden müssen. Wenn es keinen Vertrag gibt, dann muss die Urhebernennung so angebracht werden, dass der Urheber eindeutig seinem Photo oder Video zugeordnet werden kann. Sollte der urheber es verlangen, genügt es also nicht im Impressum einen Bildhinweis anzubringen. Eine (Copyright)-Erwähnung direkt im Bild eine Textunterschrift oder die Anpassung der EXIF-Daten ist empfehlenswert. Jedoch macht es Sinn zusätzlich im Impressum die Urheber zu erwähnen. Dies hat aber primär werbetechnische Gründe zu Gunsten der Urheber.

Werden Urheberrechte verletzt, so reicht es nicht einfach aus, die Urheberrechtsverletzung einzustellen, sprich die Photos von der Webseite zu löschen. Der Verletzte hat Anspruch auf Zahlung eines angemessenen Entgelts welches üblicherweise am Markt für eine gleichartige Nutzung zu zahlen gewesen wäre. Außerdem kann es zu Schadensersatzansprüche (2* das oben erwähnte angemessene Entgelt) kommen. Auch die anwaltliche Abmahung ("Anwaltskosten") sind zu bezahlen. Eine Abmahnung wegen Urheberrechtsverletzung darf nicht ignoriert werden, denn sollte die Klage an das Gericht gehen, kommen erhöhte Kosten hinzu. Jedoch habe ich die Erfahrung gemacht, dass Anwälte bei der Berechung des Entgelts gerne ein wenig über die Strenge schlagen. Wenn man (wissentlich oder unbewusst) einen Fehler gemacht hat, sollte man diesen eingestehen, aber man muss nicht mehr zahlen als üblich.

Auch drohen Anwälte zugleich meistens mit einer Unterlassungsklage. Diese sollte man tunlichst verhindern und eine strafbewehrte Unterlassungserklärung (LINK) formulieren, dass man dieses Vergehen nicht mehr wiederholt.

Bei Videos gibt es nur ein paar wenige Sonderregeln. So sollte man etwaig im Video enthaltenen Musik vorsichtig sein. Musik ist nur dann erlaubt wenn es ein sogenanntes „unwesentliches Beiwerk“ ist. Die Musik dürfte demnach nur zufällig oderbeiläufig und ohne inhaltlichen Bezug zum eigentlichen Gegenstand der Verwertungshandlung genutzt werden. Ein inhaltlicher Bezug ist zum Beispiel nicht gegeben, wenn man die Musik einfach weglassen oder austauschen könnte. Als Beispiele könnte man nennen:

  • wesentlicher Bezug: Aufnahme bei einer Tanzveranstaltung oder digitalen Nachbearbeitung eines Videos durch Musikuntermalung
  • unwesentlicher Bezug: Hintergrundmusik an einer Bar bei einem Interview oder Musik aus einem vorbeifahrenden Auto

Bei wesentlichem Bezug muss man eine AKM-Lizenz (LINK) erwerben.

3. NUTZUNGSRECHTE

coming soon ...

Themen:

  • Darf ein Gast ein Bild welches er bei mir im Hotel geschossen z.B. auf Tripadvisor hat veröffentlichen?
  • Darf ich das Bild von einem ehemaligen Mitarbeiter auf meiner Webseite veröffentlichen?
  • Darf ein fremdes Videos von Youtube auf meiner Webseite eingebettet werden?
  • Bilder, die zur Verfügung gestellt werden, dürfen nicht an Dritte weitergegeben werden.
  • Bilder, für die ein Honorar bezahlt worden ist (oder eine Gebühr wie bei Bilder aus Agenturen/Websites), dürfen in der Regel nur einmal, in einer Publikation verwendet werden.
  • Mit dem heutzutage gängigen digitalen Equipment ist es ein leichtes Bilder nachzubearbeiten (Schneiden, Spiegeln, Farbfilter, Retuschieren usw.). Man muss aber bedenken, dass die die Bearbeitung zwar erlaubt ist - jedoch nicht die Veröffentlichung von bearbeiteten Bildern, ausser der Urheber bzw. Rechteinhaber der Bearbeitung zugestimmt hat.
  • Durch eine „Creative Commons“-Lizenz (CC, creativecommons.org) erteilt der
    Urheber die generelle Zustimmung, dass seine Fotos auf eine bestimmte Art und
    Weise von jedermann verwendet werden dürfen. Eine gute Zusammenfassung gibt es hier (LINK) nachzulesen.
  • Bildagenturen wie istock bieten Bilder zur Lizenzierung an. Mit einer Lizenz kauft man ein Bild aber nicht vollumfänglich, sondern lediglich ein gewisses Nutzungsrecht. Im jeweiligen Lizenzvertrag werden dazu Zweck, Dauer und Reichweite der Veröffentlichung definiert. Da muss man den Lizenz-Vertrag genau lesen.

WKO-LINK Mustervertrag

4. SOZIALE MEDIEN

Soziale Netzwerke haben meistens sehr umfangreiche AGBs, die man recht schnell (und leichtgläubig) bestätigt. Vereinfacht gesagt sehen diese Dienste in Bezug auf das Nutzungsrecht vor, dass der Urheber (= Nutzer) das Nutzungsrecht dem jeweiligen System überlässt. Sogar die persönlichen Daten werden dem System überlassen. Viele dieser Klauseln sind jedoch nicht unproblematisch, denn sie könnten unwirksam sein, wenn gegen den Bestimmtheitsgrundsatz verstoßen wird. Dieser Grundsatz besagt, dass Erklärungen, Gegenstände, Leistungen, Gesetze usw. hinreichend genau bezeichnet werden müssen. Es darf also für den User keine Überraschungen geben oder für ihn nachteilig sein.

Wenn ein Unternehmer Bilder z.B. bei Facebook hochlädt räumt er Facebook das Recht ein diese Bilder zu verwenden und zu speichern. Mehr noch, man gibt Facebook eine nicht-exklusive, übertragbare, unterlizenzierbare, gebührenfreie, weltweite Lizenz zur Nutzung jeglicher Inhalte. Dieses recht erlischt erst mit der Löschung des Accounts außer die Inhalte wurden mit anderen Nutzern geteilt und diese haben die Inhalte nicht gelöscht.

5. KINDER

Jetzt noch ein Nachtrag in eigener Sache. Ich bin oft schokiert wie Eltern ohne mit der Wimper zu zucken Bilder ihrer Kinder auf Facebook platzieren. Eigentlich müssten die Eltern die ausdrückliche Zustimmung des Kindes haben - vor allem, dass man das Bild dann online stellt. Grundsätzlich sollte man keine Bilder von Kindern öffentlich machen. Weil es aber dennoch geschieht, möchte ich ein paar Empfehlungen mitgeben:

  • Die Bilder bzw. Videos sollen für die Kinder niemals peinlich oder zu intim sein. Auch nicht wenn sie mal 15 sind!
  • Der Name des Kindes sollte niemals vollständig erwähnt sein - Stichwort: Bilderkennungssoftware!
  • Das Kind sollte immer vollständig bekleidet sein. Also keine Aufnahmen am sommerlichen Strand!

Gerne verweise ich an dieser Stelle an BARBARA und ihren Videoblog!

Inhaltsverzeichnis

  1. Impressumsvorlage EU-Schlichtungsstelle (LINK)
  2. Datenschutz Grundverordnung 2018 (LINK)
  3. Barrierefreiheit
  4. Genderunabhängigkeit
  5. Cookies & Pixel (LINK)
  6. Pauschalreisegesetz (LINK)
  7. Bild- & Videorechte (LINK)
  8. Übersicht und Videos (LINK)