25 Jahre blaue Links sind genug!
- Stephan Waltl

- 23. Mai
- 4 Min. Lesezeit
Was Google vor ein paar Tagen auf seiner alljährlichen Entwicklerkonferenz (Google I/O) verkündet hat ist für viele von uns unvorstellbar und doch erwartbar gewesen: 25 Jahre blaue Links sind vorbei. TechCrunch brachte es auf den Punkt: „Google Search as You Know It is Over." Die Aussage spricht für sich!
Was das für jeden von uns bedeutet, der eine Website betreibt, einen Blog schreibt oder schlicht von organischem Traffic abhängig ist: Die Regeln haben sich fundamental geändert. Und wer das noch immer nicht spürt, wird es spätestens in den nächsten Quartalsberichten merken.
Die Zahlen, die wehtun!
Schauen wir uns die Realität an. Googles sogenannte AI Overviews, also jene KI-generierten Zusammenfassungen, die ganz oben in den Suchergebnissen erscheinen, sorgen laut verschiedenen Studien für folgende Effekte:
Die Klickrate (CTR) bei Suchen mit AI Overview sinkt um fast die Hälfte von 15 auf 8 %.
Noch dramatischer ist aber die Erkenntnis, dass gerade einmal 1 % der Klicks landet bei den Quellen, die in der KI-Antwort zitiert werden.
RMCorp misst einen CTR-Einbruch von 61 %!
65 % aller Google-Suchen enden ohne einen einzigen Klick auf eine externe Seite - Tendenz steigend.
Bei Suchen mit AI Overview schnellt die Zero-Click-Rate von 54 auf 72 %.
Das Beste kommt noch. Eine Studie im Search Engine Journal hat testweise die AI Overviews für eine Nutzergruppe entfernt. Die organischen Klicks stiegen sofort um 38 %. Die Nutzerzufriedenheit? Blieb praktisch unverändert, denn die Nutzer haben es kaum gemerkt. Die Publisher schon!
61 % weniger Klicks bedeutet: Von 100 Personen, die früher auf ein Suchergebnis geklickt haben, tun es jetzt nur noch 39. Für Websites, die von Display-Werbung leben, ist das kein Rückgang, das ist eine Schneeschmelze in Zeiten des Klimawandels.
Googles Reaktion: Mehr Links als Kosmetik
Anfang Mai hat Google in einem Blogpost angekündigt, mehr Links, Website-Vorschauen und Artikelvorschläge in die AI Overviews einzubauen. Mehr Transparenz, mehr Wege zu den Quellen, so die offizielle Linie der MountainViewer.
Was man dabei jedoch verschweigt: Den Publishern werden weiterhin keine neuen Klickdaten zur Verfügung gestellt. SEOs und Seitenbetreiber analysieren also im Blindflug. Und selbst wenn ein Link direkt neben einer Behauptung steht: Wenn die KI-Antwort die Frage vollständig beantwortet, ändert sich an der Zero-Click-Rate gar nix. Man zeigt mehr Links an, damit es besser aussieht. Das Grundprinzip bleibt.
Das ist ungefähr so, als würde man einem Fischer ein frisch geflicktes Netz zeigen und verschweigen, dass der See seit Wochen leer ist.
Eine Allianz aus deutschen Medien- und Digitalverbänden, darunter der BDZV mit über 300 Medienmarken und der Deutsche Journalistenverband, hat im September 2025 Beschwerde bei der Bundesnetzagentur eingelegt. Der Vorwurf: Googles KI-Antworten verstoßen gegen den Digital Services Act der EU. Google konkurriere direkt mit journalistischen Inhalten, verhindere Klicks und entziehe den Verlagen damit Reichweite und Werbeeinnahmen.
Daniela Baugen vom Medienverband VET brachte es auf den Begriff: „Traffic Killer."
Parallel läuft vor dem Europäischen Gerichtshof ein Verfahren eines ungarischen Verlags rund um Urheberrecht. In den USA klagt die Muttergesellschaft des Rolling Stone Magazin gegen Google. Rechtlich braut sich einiges zusammen, ob das die Dynamik der Suche verändert, steht auf einem anderen Blatt.
Das die eine Seite, aber wie kann man sich über Google beschweren, wenn man Google über Jahre freiwillig gefütetrt hat und sich gefreut hat, dass man im Index gelandet ist?
Das eigentliche Umdenken, das jetzt stattfinden muss, ist folgendes: Das Ziel ist nicht mehr, auf Platz 1 der organischen Suchergebnisse zu stehen. Das neue Ziel ist, in der KI-Zusammenfassung als Quelle zitiert zu werden. Das ist das neue Gold, auch wenn selbst das, wie wir an den oben genannten Zahlen gesehen haben, kaum Klicks bringt.
Was das für die Praxis bedeutet:
Inhalte müssen so strukturiert sein, dass KI-Systeme sie als zitierwürdig erkennen.
Autorität, Tiefe und Quellenklarheit werden wichtiger als reine Keyword-Dichte.
Wer nur für Suchmaschinen schreibt, schreibt bald für niemanden mehr.
Die klassische SEO-Strategie muss um AEO (Answer Engine Optimization) und GEO (Generative Engine Optimization) erweitert werden.
Unsere Webseiten brauchen neue, aktuelle, echte und orginäre Inhalte!
Google baut seine Agenten für uns User: Angeblich!
Neben der Abkehr von den blauen Links hat Google auf der I/O auch die nächste Stufe präsentiert: Informationsagenten, die rund um die Uhr im Hintergrund das Web beobachten und personalisierte Zusammenfassungen liefern. Ein „Daily Brief", der morgens aus eMails, Kalender und relevanten Nachrichten eine persönliche Zusammenfassung generiert. Ein persönlicher KI-Agent, der mit Workspace-Tools verbunden ist und proaktiv Aufgaben managt.
Das klingt praktisch und ich mache das bereits bei HUXE (was man mir grad abdreht :-( ), mit Manus (was die Chinesen wieder zurückhaben wollen) und bei ChatGPT mit Pulse (was man mir nicht freischaltet!
Die Frage, die man sich dabei stellen sollte: Wer entscheidet, was dieser Agent für relevant hält? Wessen Inhalte kommen in die Zusammenfassung? Und was passiert mit den Publishern, deren Inhalte der Agent konsumiert, ohne dass jemand ihre Seite besucht?
Google baut ein System, das uns das Surfen erspart. Dabei lebt Googles Werbemodell davon, dass wir surfen. Irgendwann wird dieses Modell eine Antwort brauchen!
Und nu?
Wer Inhalte produziert, eine Website oder einen Online Shop betreibt oder von organischem Traffic abhängig ist, sollte 3 Dinge tun:
Traffic-Quellen diversifizieren. Wer zu 80 Prozent von Google-Traffic abhängig ist, hat ein strukturelles Problem, das sich gerade beschleunigt.
Inhalte auf Zitierbarkeit optimieren. Strukturierte Daten, klare Autorenschaft, belegte Aussagen, präzise Antworten auf konkrete Fragen.
Direkten Zugang zur Zielgruppe aufbauen. Newsletter, Community, Social Media als eigene Kanäle, die nicht von Googles nächstem Update abhängen.
Das Web, wie wir es seit 25 Jahren kennen, verändert sich gerade schneller als in den letzten 10 Jahren zusammen. Wer darauf wartet, dass Google zurückrudert, wartet vermutlich vergeblich.
Was ist aber mit den Menschen die es gewohnt sind zu so zu suchen wie wir in den letzten 25 Jahren immer gesucht haben? Werden die jetzt vielleicht sogar zu BING oder einem der vielen anderen Suchmaschinen abwandern? Kommt eine europäische - vielleicht sogar österreichische Suchmaschine? Und weil wir schon beim "vielleicht" sind, vielleicht sollten wir das Kaufhaus Österreich wieder aktivieren und so die in CORONA-Zeiten € 1,3 Mio verbrannten Steuergelder zu reaktivieren!
Und was ist mit den vielen Betrieben die über Jahre brav deren Google Ads an die Suchen der User ausgerichtet haben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Google es zulässt, dass Milliarden an Einnahmen so mir-nix-dir-nix an Microsoft, META oder TikTok weitergeleitet werden. Wenn man den Zahlen glaubt, dann kommen mindestens 50% der googlschen Einnahmen durch die SEARCH! Wenn die bezahlten SERPS verschwinden, braucht Google dringend neue Einnahmequellen und so manche Google Ads Agentur ebenso!

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