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Das Web lernt endlich sprechen!

  • Autorenbild: Stephan Waltl
    Stephan Waltl
  • 21. Mai
  • 3 Min. Lesezeit

Wie jedes Jahr um diese Zeit trifft sich die Google Programmierer Community im amerikanischen Mountain View in der Zentrale von Alphabet um die Zukunft aus Sicht von Google zu präsentieren (LINK).


Ja es wird sich wieder an der Brille versucht und auch sonst gibt es ein paar nette Gimmicks aber in Wirklichkeit hat Google still und leise das Fundament für das nächste Kapitel des Webs gelegt. Kein großes KI-Modell diesmal. Keine neue App. Sondern ein offener Standard, der die Art und Weise verändert, wie KI-Agenten mit Websites interagieren. webMCP heißt das Ding und wer es jetzt noch nicht kennt, wird es spätestens dann kennen, wenn seine Konkurrenten es bereits nutzen.


Was steckt dahinter?

Bisher agieren KI-Agenten auf Websites wie ein Blinder im Supermarkt. Sie sehen die Regale, können aber die Beschriftungen nicht lesen. Was sie machen: Screen Scraping. Das heisst nichts anderes, dass der KI Agent anhand des visuellen Layouts rät, wo er klicken muss, welches Formularfeld für den Vornamen da ist und wo der „Jetzt buchen"-Button versteckt sein könnte. Das funktioniert so lange, bis jemand das Layout auch nur minimal verändert. Dann bricht alles zusammen.


Warenkorb, Buchungsmasken, Verfügbarkeitskalender, Zimmerkategorien, Zusatzleistungen. Genau jene Bereiche, bei denen ein KI-Agent dem Nutzer Zeit und Nerven sparen könnte, sind aktuell für automatisierte Prozesse praktisch unzugänglich.


webMCP (Web Model Context Protocol) dreht das Prinzip um. Websites teilen dem Agenten direkt mit, welche Aktionen sie anbieten und wie diese korrekt ausgeführt werden. Quasi eine Art Bedienungsanleitung direkt in der Seite, maschinenlesbar, strukturiert, zuverlässig.


Google stellt dafür 2 APIs bereit:

  • Deklarative API: Standard-HTML-Formulare bekommen spezielle Annotationen. Der Agent weiß dadurch sofort: „Dieses Formular ist für die Zimmerbuchung. Hier brauche ich Vorname, Nachname, Personenzahl, usw.".

  • Imperative API: Für komplexe, dynamische Workflows. Ein interaktiver Datepicker, eine mehrstufige Buchungsmaske, eine Zahlungsabwicklung. Diese Prozesse werden als strukturierte JavaScript-Tools registriert und sind damit direkt und präzise für Agenten nutzbar.


Das Entscheidende dabei: Alles läuft sichtbar auf der Website ab. Das Corporate Design bleibt intakt. Die UX-Entscheidungen des Betreibers bleiben erhalten und der Nutzer sieht, was der Agent tut.



Modern Web Guidance

webMCP allein löst noch kein Problem, wenn niemand weiß, wie man es implementiert. Genau hier kommt Modern Web Guidance (MWG) ins Spiel, die zweite große Ankündigung der Google I/O 2026.


Der Standard ist so neu (aktuell als Origin Trial ab Chrome 149 verfügbar), dass selbst KI-Coding-Assistenten wie Claude Code oder GitHub Copilot ihn noch nicht kennen. Wer also heute Claude Code bittet, eine webMCP-Integration zu bauen, bekommt wahrscheinlich halbgaren Code, der auf veralteten Mustern basiert.


Die Modern Web Guidance löst genau das: Sie stellt KI-Coding-Assistenten das von Google-Experten geprüfte Wissen bereit, damit diese webMCP sauber, modern und barrierefrei implementieren können. Man könnte sagen: Die Modern Web Guidance bringt dem Assistenten bei, wie das Handwerk heute wirklich geht.

Google selbst beschreibt die Verbindung so: Während die Modern Web Guidance dafür sorgt, dass der KI-Assistent beim Programmieren immer die modernsten Webplattform-Features nutzt, anstatt veraltete Workarounds, sorgt webMCP dafür, dass das fertige Produkt fit für die Zukunft ist.


webMCP ist ein junger Standard, kein fertiges Produkt. Der Origin Trial läuft in Chrome 149. Das bedeutet: Es ist jetzt der richtige Moment, um sich damit zu beschäftigen. Wer wartet, bis es „ausgereift" ist, erklärt seinen Mitbewerbern freundlicherweise, dass sie 2 Jahre Vorsprung haben dürfen.

Konkret bedeutet webMCP für einen Unternehmer: Ein Kunde (z.B. Gast) sagt zu seinem KI-Assistenten „Buch mir für den 12. Juli ein Doppelzimmer im Hotel XY." Der Agent öffnet die Website, liest die webMCP-Annotationen, füllt das Formular korrekt aus und schließt die Buchung ab. Ohne Fehlbedienung, ohne Layoutproblem, ohne Datenverlust.


Was jetzt nötig ist!

Webagenturen, die heute Websites entwickeln, sollten webMCP von Anfang an mitdenken. Nicht als Zusatzfeature, sondern als Standard! Wer ein Pflichtenheft für einen Website-Relaunch schreibt und webMCP nicht erwähnt, liefert ein Dokument aus dem Jahr 2023.

Die Ironie dabei: Google hat auf seiner eigenen Entwicklerkonferenz klargestellt, dass die KI-Agenten von morgen nur dann funktionieren, wenn das Web von heute aufgeräumt wird. Und das Web aufzuräumen, das ist keine KI-Aufgabe. Das ist Handwerk!

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