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Der innere Opa!

  • Autorenbild: Stephan Waltl
    Stephan Waltl
  • vor 2 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

Vor kurzem bin ich in irgendeinem Podcast auf einen Satz gestoßen, der mich jetzt mehr als mir lieb ist beschäftigt:

Wer sich ständig in den tragischen Kapiteln der eigenen Biografie aufhält, wird davon nicht gesünder, sondern die schlechte Stimmung zieht sich nur länger hin.

Das klingt zuerst mal recht banal. Ist es aber nicht, wenn man sich anschaut, wie viel Zeit wir Menschen und auch Unternehmer damit verbringen, alte Wunden zu analysieren, statt zu fragen, wo man eigentlich hin will!


Warum schauen so viele Menschen lieber zurück als nach vorne? Weil Rückschau bequem ist. Man kennt die Fakten, kann sie sortieren, kann sich selbst darin einrichten. Die Zukunft dagegen ist offen und macht deshalb Angst. Im Podcast fiel dazu ein Bild, das ich mir gerne zu eigen machen möchte: Man fährt Auto mit Rückspiegel, klar, den braucht man, damit man weis, was hinter einem passiert. Aber gefahren wird nach vorne! Den Rückwärtsgang mal ausgeblendet.


Der Vorschlag in diesem Podcast war: Statt sich ständig mit dem "inneren Kind" zu beschäftigen, öfter den "inneren Opa" oder halt die "innere Oma" zu fragen. Also sich vorzustellen, wie man als alter Mensch auf das eigene Leben zurückblickt, und sich zu fragen, was dieses zukünftige Ich jetzt von einem sehen möchte.


Nehmen wir als Beispiel einen Hotelier, der sich über Monate mit einer verunglückten Marketingkampagne aus dem Vorjahr beschäftigt, statt die nächste Saison zu planen. Er wird von dieser Grübelei kein einziges Zimmer mehr verkaufen.


Natürlich gibt es das Prinzip: Lesson learned; aber denk mal dran, was ein Streit mit der Digitalagentur wegen einer verkackten Werbekampagne an Ressourcen frisst. Ja, die Rechnung war zu hoch, die Umsetzung mangelhaft, aber jetzt kreist das ganze Unternehmen seit Monaten nur noch um die Frage, wer schuld war. In der Zeit optimiert der Mitbewerber längst seine Kampagnen und zieht an einem vorbei. Der innere Opa würde da ziemlich nüchtern fragen: Was bringt dir der X-te Rechtfertigungsbrief, den keiner mehr liest und in Wirklichkeit ohnehin die KI für mich geschrieben hat?


Es ist okay, mal schlecht drauf zu sein. Nicht jede scheisse Stimmung am Morgen ist gleich eine Depression, und nicht jede Trauerphase gehört sofort behandelt. Was dabei verloren geht, ist Resilienz! Wer bei jedem Windhauch professionelle Hilfe sucht, statt zu lernen, mit den dunkleren Tönen der eigenen Erfahrung umzugehen, verlernt genau die Widerstandskraft, die man später brauchen wird. Ich habe auch nicht jedesmal nach meinen Eltern oder meinen Chefs gerufen, nur weil ich wo mal ein Problem hatte. Das heißt nicht, dass ernsthafte psychische Erkrankungen kleingeredet werden sollen. Es geht drum die vielen Fälle dazwischen, in denen Menschen ihre normalen Emotionen sofort als Problem einstufen, das behandelt gehört.



Auch bin ich der Meinung, dass man nicht ständig an sich selber herumbasteln sollte. Wer ADHS hat, wird wahrscheinlich kein großartiger Buchhalter. Und wer gut mit Zahlenkolonnen umgehen kann, ist selten ein großartiger Storyteller im Marketing. Manche Eigenschaften sind, wie sie sind. Die Konsequenz daraus ist nicht Resignation, sondern eine klare Priorität: Die eigenen Stärken ausbauen und für die Schwächen Lösungen, Agenturen, Berater oder KI-Systeme finden, die einen dort unterstützen, wo es wirklich weh tut. Nicht jeden Tag an der eigenen Baustelle arbeiten, sondern fragen, was man mit dem, was man mitbringt, tatsächlich bauen kann.


Ich helfe meinen Kunden und Weggenossen gerne mit meinen Stärken weiter. Und wer meine Haarfarbe und mein Alter kennt, weiss, dass ich eh schon fast mein eigener inneren Opa bin!



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