top of page

Der Tag an dem eine KI meinen Job übernahm!

  • Autorenbild: Stephan Waltl
    Stephan Waltl
  • 23. März
  • 3 Min. Lesezeit

Eine der ersten Fragen mit denen ich mich mit der öffentlichen Zugänglichkeit von ChatGPT befassen musste, war: wird KI unsere Jobs übernehmen. Recht schnell wusste man, das ein ChatBOT auf Basis eines großen Sprach- oder eines Diffusions-Models das nicht so leicht hinbekommen wird. Jedoch wusste man, dass diese Entwicklung nicht stehen bleibt. Und so kommt es, dass ich mich seit Monaten mit KI gesteuerten Workflows und der Arbeitsweise von KI-Agenten beschäftige. Spätestens jetzt komme ich zur Erkenntnis, dass KI viele Jobs vernichten wird. KI wird natürlich auch Jobs verändern und natürlich auch neue Jobs schaffen, aber die neue Frage ist: Wen trifft es und wenn ja, wann und wie?


Die neue Karriere-Logik steht Kopf

Jahrzehntelang galt: Mehr Bildung = mehr Sicherheit. Wer studiert hat, wer analytisch denkt, wer komplexe Texte schreibt - der ist schwer ersetzbar. Das war einmal! Heute gilt das Gegenteil. Genau die Berufe, die vollständig am Bildschirm stattfinden – deren Output ein digitales Artefakt ist, also Code, Report, Bericht, Vertrag, Analyse, Design – sind am stärksten exponiert. Der Buchhalter, der Finanzanalyst, der Anwalt, der Softwareentwickler. Alle mit Abschluss. Alle mit hoher Exposition! Der Dachdecker hingegen schläft ruhig, so auch der Kellner. Noch!


Digital gleich gefährdet – handwerklich gleich sicher

Das klingt paradox, ist aber logisch: KI kann alles automatisieren, was sich in Daten übersetzen lässt. Und digitale Arbeit = Daten. Jede Zeile Code, jede Analyse, jedes Dokument, jede Präsentation, jedes Instagram Reel – das sind strukturierte Informationen, die ein Modell reproduzieren, verbessern oder ersetzen kann.

Ein Dach decken, eine Dusche einbauen, einen Kaffee servieren, einen Patienten pflegen, – das geht (noch) nicht. Die Robotik holt zwar auf, aber wir reden hier von einem anderen Zeithorizont.



Was bedeutet das konkret? Wer wie ich seinen Job vom Laptop aus erledigt und am Ende des Tages eine Datei abliefert, sitzt näher am Feuer als er vielleicht denkt. Es reicht nicht, nur den eigenen Job zu betrachten. Die Branche, in der man arbeitet, bestimmt das Tempo der Veränderung mindestens genauso stark. Telekommunikation und Finanzwesen sind die Branchen unter dem größten Druck: Die Kerntätigkeiten sind digital, die Automatisierungswelle ist längst nicht mehr theoretisch – und KI-Agenten übernehmen dort gerade leise die ersten operativen Rollen. Kundenservice, Sachbearbeitung, Analyse. Das passiert nicht in 5 Jahren. Das passiert jetzt.


Das Gesundheitswesen ist ein Sonderfall: Die administrative und diagnostische Seite – Transkription, Befundung, Dokumentation – ist hochgradig exponiert. Die physische Arbeit, also Pflege und operative Eingriffe, bleibt vorerst geschützt. Vorerst.

Bau und Handwerk? Kaum betroffen. Zumindest auf Sicht der nächsten Jahre.


Exposition ist nicht Jobverlust – aber Stillstand ist es

Hier liegt die wichtigste Nuance, die im allgemeinen Hype regelmäßig untergeht: Nur weil ein Job theoretisch automatisierbar ist, verschwindet er nicht über Nacht. Der Arbeitsmarkt reagiert langsamer als die Technologie. Was sich aber bereits klar zeigt: Es gibt weniger Einstiegsjobs, mehr Druck auf die Bestehenden und wer KI aktiv nutzt, produziert mehr Output als 2 oder 3 Kollegen ohne. Das ist die eigentliche Verschiebung. Nicht Massenentlassungen per Dekret, sondern eine stille Umverteilung: Wer KI als Werkzeug beherrscht, wird unersetzlicher. Wer sie ignoriert, wird ersetzbar – nicht durch die KI direkt, sondern durch den Kollegen, der sie nutzt. Und in Zeiten in denen durch den demographischen Wandel unten weniger neue Mitarbeiter nachkommen, als durch die Pensionierung der Babyboomer oben aussteigen, werden wir nicht durch Menschen ersetzt, sondern durch Software!

Jeder sollte seinen eigenen Arbeitsplatz analysieren und 2 zwei Dinge ansehen:

  1. Deine täglichen Aufgaben. Welche davon haben den höchsten Wiederholungsfaktor? Welche laufen nach einem fixen Muster ab? Genau dort setzt KI als Erstes an – und genau dort ist auch dein größter Hebel, wenn du sie aktiv einsetzt.

  2. Deine Branche. Wie digital ist die Kernarbeit darin? Wie stark sind die Marktveränderungen durch KI bereits spürbar? Wer in einem stark exponierten Umfeld arbeitet und gleichzeitig auf Autopilot läuft, spielt gerade ein riskantes Spiel.


Die Zeiten, in denen man 5 Jahre warten konnte, um zu schauen, wie sich das Ganze hinentwickelt, sind vorbei. Wer jetzt anfängt, KI sinnvoll in seine Arbeit zu integrieren, hat einen handfesten Vorsprung. Wer wartet, holt ihn irgendwann nicht mehr auf.


Die Mühlen der Politik mahlen langsam – das war schon immer so und wird sich nicht ändern. Aktuell beschäftigt sich die Politik neben den Kriegswirren mit den Kauf von Abfangjägern, Kopftüchern und Lateinunterricht in Schulen. Auf einen Digitalminister zu warten, der die Zukunft "neu gestaltet", ist ungefähr so verlässlich wie ein Wetterbericht für in 3 Wochen!


Man sollte sich selbst die Frage stellen: Nutze ich KI gerade als Multiplikator oder bin ich derjenige, der multipliziert wird? Und dazu kann man sich gerne dieses Vortrag von Amy Webb ansehen und staunen!

 
 
 

Kommentare


bottom of page