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Google Analytics zeigt plötzlich weniger Besucher? Das steckt wirklich dahinter.

  • Autorenbild: Stephan Waltl
    Stephan Waltl
  • 27. Mai
  • 4 Min. Lesezeit

Noch bis vor einigen Jahren war für mich Google Analytics das Maß der Dinge, wenn es um die Datenanalyse des Internets ging. Dann kam GA4 in Kombination mit verschärften Datenschutzregeln der EU und seither ist das Ergebnis einfach nur mehr in der Gegend herumgeschätzt. Das geht mir einerseits auf dem Sender und andererseits verstehe ich meine Kunden, die ob der ungenauen bzw. eingeschränkten Messmethoden keine gewohnt stabile Datenbasis mehr haben.


Viele Webseitenbetreiber erleben das seit Anfang 2026: Die Kurve in Google Analytics bricht plötzlich ein. Aber ohne erkenntlichen Hintergrund: kein Hackerangriff, kein SEO-Problem, kein reduziertes Werbebudget. Es handelt sich nämlich um ein reines Datenschutz- und Tracking-Phänomen, das man verstehen muss, um richtig damit umzugehen.


Was ist der Google Consent Mode v2 und warum betrifft er fast jeden?

Ab dem 6. März 2024 ist die Nutzung des Google Consent Mode v2 (auf Deutsch: Einwilligungsmodus) verpflichtend für alle, die Google-Produkte wie Google Ads oder Google Analytics nutzen. Das klingt technisch, hat aber sehr konkrete Auswirkungen auf das, was man in Analytics täglich sieht. Hintergrund ist eine EU-Vorgabe aus dem Digital Markets Act (DMA), die Konzerne wie Google ab 2024 dazu verpflichtet, die Zustimmung zum Tracking nachweisen zu können. Google hat das, wie gewohnt, in sein eigenes System übersetzt und alle Webseitenbetreiber damit quasi mitgezogen. Final passierte das im März 2026! Ob man das gut findet oder nicht: ignorieren kann man es nicht.


Was genau passiert auf der Webseite?

Wer ein Cookie-Plugin wie Borlabs oder CookieBot einsetzt, hat von diesem Update vermutlich ein automatisches Update erhalten. Das Plugin hat sich damit selbst auf den neuen Standard umgestellt.


Im sogenannten Basic Mode (Basis-Einwilligungsmodus) gilt: Der Basis-Modus ist die rechtlich sichere Variante, da erst nach aktiver Zustimmung Daten an Google übertragen werden. Das bedeutet: Gäste, die das Cookie-Banner wegklicken, ignorieren oder nur essenzielle Cookies akzeptieren, tauchen in Google Analytics schlicht nicht mehr auf. Sie buchen vielleicht trotzdem ein Zimmer. Sie rufen die Seite auf, schauen sich Preise an, lesen Bewertungen. Aber in der Statistik existieren sie nicht.


Das erklärt den Absturz in der Kurve. Defacto haben sich die echten Besucher kaum verändert. Nur die Zahl der sichtbaren Besucher ist geschrumpft, weil jetzt eben nur noch jene gemessen werden, die aktiv auf "Alle akzeptieren" geklickt haben. Aktuelle Studien zeigen je nach Alter der Zielgruppe und Sensibilität der Branche, dass nur 15 bis 40 % auf „Akzeptieren" klicken.


Die 3 Optionen beim Google Consent Mode

Hier muss jeder Betreiber eine bewusste Entscheidung treffen. Es gibt keinen "richtigen" Weg, nur 2 Wege mit unterschiedlichen Prioritäten.

  • Option 1: Basic Mode (aktueller Zustand bei den meisten)

    • Vorteil: Man ist datenschutzrechtlich auf der sicheren Seite. Kein Datenfluss ohne Zustimmung.

    • Nachteil: Analytics zeigt nur noch einen Bruchteil der echten Situation. Man muss Analytics künftig als Trendbarometer verstehen, nicht als harte Zahl. Die einzigen wirklich verlässlichen Zahlen sind jene aus dem eigenen Buchungssystem oder Hotelprogramm.

  • Option 2: Advanced Mode (erweiterter Einwilligungsmodus)

    Im erweiterten Modus werden anonymisiert Daten von Nutzern übertragen, die keine Zustimmung gegeben haben. Google erhält also in jedem Fall mehr Daten. Analytics rechnet diese Signale hoch und zeigt wieder realistischere Kurven.

    Das Vorgehen beim erweiterten Einwilligungsmodus ist rechtlich umstritten, da ohne Zustimmung Daten an Google gesendet werden. Für mehr rechtliche Sicherheit kann der einfache Einwilligungsmodus verwendet werden. Das steht sogar direkt in der Borlabs-Dokumentation. Wer den Advanced Mode aktiviert, gewinnt bessere Statistiken, trägt aber ein rechtliches Restrisiko.

  • Option 3: Raus aus dem Google-Ökosystem

    Das ich ein Googlianer der ersten Stunde das einmal schreiben werde, hätte ich nie für möglich gehalten, aber, wer die ganze Consent-Mode-Diskussion grundsätzlich müde ist, hat eine echte Alternative: einfach ein anderes Analyse-Tool einsetzen. Und die sind besser als ihr Ruf!

    • Matomo ist dabei die bekannteste Option. Mit den richtigen Einstellungen darf man nach der aktuellen Rechtslage konform zu den Vorgaben der DSGVO eine Reichweitenanalyse mit Matomo ohne Abfrage einer Einwilligung durchführen. Tschüss Cookie-Banner, zumindest für die Webanalyse.

      Mit Matomo hat man die Möglichkeit, die gesammelten Daten auf eigenen Servern zu speichern. Das bietet volle Kontrolle über die Informationen und reduziert das Risiko von Datenlecks durch Drittanbieter. Die Daten gehören einem also wirklich. Nicht Google. Nicht irgendeinem US-Konzern. Über Matomo ist das Tracking dann kostenlos und unbegrenzt, wenn man das Analysetool über einen eigenen Server selbst hostet. Wer das nicht will oder kann, greift zur Cloud-Variante, die je nach Traffic ab rund € 22 pro Monat kostet.

    • CMS-integrierte Analysen sind die zweite Option, die viele übersehen. Viele moderne Website-Systeme liefern bereits eingebaute Statistiken mit: Besucherzahlen, Seitenaufrufe, Herkunft der Besucher, beliebteste Seiten. Für ein Hotel, das primär wissen will "Wie viele Leute schauen sich unsere Zimmerkategorien an?" und "Woher kommen die Besucher?", reicht das in den meisten Fällen vollkommen aus. Ohne Google. Ohne Consent-Diskussion. Ohne Cookie-Banner-Stress. Siehe dazu LINK

Die ehrliche Wahrheit: Viele KMUs nutzen von Google Analytics sowieso nur 10 % der Funktionen. Für diese 10 % riskieren sie DSGVO-Probleme, verzerrte Statistiken und eine anhaltende Abhängigkeit von einem Konzern, der die Spielregeln nach eigenem Gutdünken ändert. Der Consent Mode v2 ist das jüngste Beispiel. Dass man Google Ads Klicks nicht mehr den PAID Zugriffen zuordnet sondern dem CrossPosts ist das nächste!



Was ich empfehle

Für Betriebe, die primär Google Ads schalten: Google Analytics bleibt sinnvoll, weil es direkt mit den Kampagnendaten verzahnt ist. Hier empfehle ich den Basic Mode und Analytics als Trendbarometer zu lesen, nicht als absolute Zahl. Die harten Fakten stehen im Buchungssystem. Für Betriebe ohne aktive Google Ads Kampagnen: Ein Wechsel zu Matomo oder die Nutzung der CMS-eigenen Analyse ist eine echte Option, die man ernsthaft prüfen sollte. Wer den Advanced Mode erwägt, sollte das vorher mit einem Datenschutzexperten abstimmen. Nicht weil gleich eine Abmahnung kommt. Aber weil man die Entscheidung dann zumindest informiert getroffen hat.

 
 
 

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