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ChatGPT-Traffic sauber zuordnen: Organische Zitate und bezahlte Ads auseinanderhalten

Autorenbild: Stephan Waltl
Stephan Waltl
9. Sept.
3 Min. Lesezeit

Spätestens jetzt wo die ChatGPT Ads laufen, taucht die Frage auf: Verlinkt ChatGPT überhaupt jemals auf die eigene Website, und wenn ja, war das organisch oder eine bezahlte Anzeige? Die ehrliche Antwort: Ohne Nachschauen weiß man das schlicht nicht. Google Analytics zeigt Traffic-Quellen zwar seit Jahren an, aber kaum jemand filtert gezielt danach, welche Inhalte KI-Systeme tatsächlich als Referenz nutzen und welcher Klick tatsächlich Geld gekostet hat. Beides landet nämlich, ohne saubere Konfiguration, im selben unübersichtlichen Topf.


Warum das überhaupt relevant ist

Wenn ChatGPT einen Nutzer auf eine bestimmte Unterseite schickt, ist das kein Zufall. Das System hat diese Seite als Antwort auf eine konkrete Frage ausgewählt, aus tausenden Alternativen. Wer wissen will, welche eigenen Inhalte für KI-Empfehlungen tatsächlich funktionieren, und wer zusätzlich Geld in ChatGPT Ads steckt, braucht einen klaren Beleg statt einer Vermutung. Ohne Trennung von organisch und bezahlt fließt beides in dieselbe Kennzahl, und dann optimiert man am Ende auf Basis falscher Daten.


Teil 1: Organische Zitate in GA4 finden

  1. Schritt: Channel auf Quelle/Medium umstellen Unter Berichte, Akquisition, Neu generierter Traffic steht in der Datentabelle standardmäßig „Sitzung, primäre Channelgruppe". Diese Einstellung über den Pfeil neben der Spaltenüberschrift auf „Sitzung, Quelle/Medium" ändern.

  2. Schritt: Nach chatgpt.com filtern In der Suchleiste der Tabelle chatgpt.com eintragen. Jetzt sieht man auf einen Blick, wie viele Sitzungen tatsächlich von ChatGPT kommen.

  3. Schritt: Die konkreten Seiten identifizieren Im Menü zu Engagement, Seiten und Bildschirme wechseln. Dort oben auf „Filter hinzufügen" klicken, als Dimension „Sitzungsquelle" wählen, Übereinstimmungstyp auf „enthält" setzen und als Wert chatgpt eintragen. Das Ergebnis: eine Liste jener Unterseiten, die ChatGPT tatsächlich als Quelle verwendet hat.

Das Problem dabei: GA4 zählt ChatGPT-Klicks systembedingt zu niedrig. Referrer-Policy-Header, noreferrer-Links, In-App-WebViews und kopierte URLs entfernen den Referrer, bevor GA4 ihn überhaupt sieht. Man sieht also nie die vollständige Zahl, sondern nur das, was technisch durchkommt.


Teil 2: Bezahlte ChatGPT Ads sauber zuordnen

Hier wird es technischer, denn bezahlte Ads laufen über 2 getrennte Mechanismen, die man beide gleichzeitig bedienen muss.

  1. Mechanismus: Statische UTMs in der Ziel-URL In der Ziel-URL trägt man selbst die klassischen UTMs fix ein, zum Beispiel utm_source=chatgpt, utm_medium=paid und utm_campaign mit dem jeweiligen Kampagnennamen. Dynamische UTM-Makros unterstützt OpenAI hier nicht, das muss handgetippter, fixer Text sein.

  2. Mechanismus: OpenAIs eigene Landingpage-Abfrageparameter Im ChatGPT Ads Manager gibt es ein zusätzliches, separates Feld für Landingpage-Abfrageparameter. Dort werden 5 unterstützte Platzhalter automatisch bei Auslieferung durch die tatsächlichen Werte ersetzt:

    1. {campaign_id}: ID der Kampagne

    2. {ad_group_id}: ID der Anzeigengruppe

    3. {ad_id}: ID der einzelnen Anzeige

    4. {ad_account_id}: ID des Werbekontos

    5. {oppref}: OpenAIs eigener Click-Identifier

Der oppref-Wert ist der eigentliche Schlüssel für die Zuordnung. Man kann sich das wie ein Session-Token für den konkreten Klick vorstellen, ähnlich der gclid bei Google Ads. Der OpenAI Pixel liest diesen Parameter aus der URL, speichert ihn in einem First-Party-Cookie, und genau darüber lässt sich eine spätere Conversion wieder dem ursprünglichen Klick zuordnen. Ohne oppref läuft die serverseitige Conversions API praktisch blind, weil sie ohne diesen Wert keine zuverlässige Verknüpfung zwischen Klick und späterer Aktion herstellen kann.



In der Praxis heißt das konkret, dass beide Felder gemeinsam befüllt werden:

Auf der Landingpage kommt am Ende eine URL mit beiden Parametersätzen kombiniert an. Die UTMs sorgen für die Sichtbarkeit als eigener Channel in GA4, die OpenAI-Makros sorgen dafür, dass die Conversions API den Klick später sauber der richtigen Kampagne und Anzeige zuordnen kann. Der oppref-Wert muss dabei technisch durch etwaige Redirects und die weitere Navigation mitgeschleppt werden, sonst geht er verloren, bevor überhaupt eine Conversion gemessen wird.


Teil 3: Beide Traffic-Arten in GA4 trennen

Ohne eigenen Channel landet bezahlter und organischer ChatGPT-Traffic im selben Bericht. Die Lösung: Unter Admin, Datenanzeige, Channelgruppen einen neuen Channel „ChatGPT Paid" mit der Bedingung utm_source=chatgpt UND utm_medium=paid anlegen. Alles, was diese Bedingung nicht erfüllt, aber trotzdem chatgpt.com als Quelle zeigt, ist organischer Traffic.


Was man mit dem Ergebnis anfangen sollte

Wer bei den organischen Zitaten leere Listen sieht, hat ein Problem, aber immerhin ein sichtbares. Wer Treffer sieht, sollte sich genau diese Seiten ansehen:

  • Wie sind sie strukturiert?

  • Welche Fragen beantworten sie konkret?

  • Ein KI-System zitiert keine Werbetexte, sondern klare Antworten auf konkrete Fragen.


Bei den bezahlten Ads gilt dasselbe Prinzip aus einem anderen Winkel: Wer die technische Zuordnung nicht sauber aufsetzt, bevor das erste Budget fließt, weiß am Ende des Monats nicht, ob die Kampagne funktioniert hat oder ob man Geld für eine Blackbox ausgegeben hat. Und Blackbox mag ich gar nicht :-(

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