Windows 95 trifft MCP: Meine neue Website spricht jetzt mit KI-Assistenten
Seit 27. Oktober 2026 läuft www.microgast.at auf einer neuen Website. Sie sieht aus wie Windows 95, mit Fenstern, Startmenü und Papierkorb. Darüber werden die meisten reden. Viel spannender ist aber der Teil, den man gar nicht sieht: Die Seite spricht jetzt direkt mit KI-Assistenten, über einen eigenen MCP-Server.
Warum Windows 95?
Ganz ehrlich: weil es Spaß macht. Wer in den 90ern vor einem grauen Röhrenmonitor gesessen ist, klickt sich hier sofort zurecht. Die Seminare liegen als Ordner auf dem Desktop, das Startmenü ist dort, wo es hingehört, und die Uhr rechts unten zeigt die echte Uhrzeit. Auf dem Handy ist das Ganze eine ganz normale Seite, denn niemand will auf 6 Zoll Fenster herumschieben.
Unter der Haube ist trotzdem alles von heute. Jede Seite hat ihre eigene Adresse und echtes HTML, es gibt keine Cookies und kein Tracking, und die alte Wix-Seite ist Geschichte. Gebaut habe ich das Ganze gemeinsam mit Claude Code, ein Generator setzt die Seite jeden Morgen aus meinen Inhalten neu zusammen.
Was ist eigentlich MCP?
Wie findet ein KI-Assistent heraus, wann mein nächstes Seminar stattfindet? Bisher so: Er liest die Website wie ein Mensch, nur schlechter. Er kratzt sich Text aus dem HTML, rät, was davon ein Termin ist, und hat im ungünstigsten Fall einen Stand vom Vorjahr im Gedächtnis.
MCP steht für Model Context Protocol. Das ist ein offener Standard, den Anthropic Ende 2024 vorgestellt hat und den inzwischen auch OpenAI, Google und Microsoft unterstützen. Über MCP fragt die KI nicht mehr die Website ab, sie fragt einen Server, der genau weiß, was er hat, und es sauber strukturiert zurückgibt.
Man kann sich das vorstellen wie bei einem Hotel: Die Gäste kommen durch den Haupteingang in die schöne Lobby. Der Lieferant fährt hinten an die Rampe, bekommt seine Liste und muss nicht durch den Speisesaal irren. Die Website ist die Lobby, der MCP-Server die Rampe.
Was der microgast-Server kann
Unter https://www.microgast.at/mcp stehen 9 Werkzeuge bereit:
- ueber_microgast: wer ich bin, was ich anbiete, Kontakt
- naechste_termine: die offenen Seminartermine, gefiltert gegen das heutige Datum
- seminare_auflisten und seminar_details: alle 9 Seminare mit Inhalt, Ablauf, Dauer und Preis
- blog_auflisten und blog_beitrag_lesen: alle Blogbeiträge im Volltext
- seiten_auflisten und seite_lesen: jede Seite der Website als Text
- suchen: Volltextsuche über alles zusammen
Der Server ist bewusst nur lesend. Er kennt keine Anmeldung, nimmt keine Daten entgegen und liefert nur, was ohnehin öffentlich auf der Website steht. Wer sich für ein Seminar anmelden will, macht das weiterhin selbst über das Formular. Soweit so lässig, denn damit gibt es auch nichts, was jemand missbrauchen könnte.

So probierst du es aus
In Claude geht das in wenigen Klicks: Einstellungen → Konnektoren → Benutzerdefinierten Konnektor hinzufügen, als Adresse https://www.microgast.at/mcp eintragen, fertig. Eine Anmeldung braucht es nicht. Danach einfach fragen: „Wann ist das nächste KI-Seminar von microgast und was kostet es?“ In ChatGPT funktioniert das derzeit über den Entwicklermodus bei den Konnektoren.
Wer wissen will, wie so ein Konnektor in der Praxis aussieht, findet hier ein Beispiel mit Google Analytics: Google Analytics direkt in Claude.
Warum mich das für Hotels und KMU interessiert
Ich habe eine kleine Website mit 9 Seminaren und 52 Blogbeiträgen. Die Welt wird sich davon nicht verändern. Aber das Prinzip dahinter wird jeden Betrieb treffen, der online gefunden werden will.
KI-Agenten fangen gerade an, für uns zu suchen, zu vergleichen und zu buchen. Darüber habe ich schon in Agentic AI: der stille Strukturwandel geschrieben. Ein Hotel, dessen Zimmerpreise und Verfügbarkeiten nur in einem hübschen Buchungs-Widget stecken, ist für so einen Agenten wie ein Wanderweg ohne Beschilderung: Man kommt vielleicht ans Ziel, aber nur mit viel Glück.
Wer seine Daten sauber und maschinenlesbar anbietet, wird von KI-Assistenten richtig zitiert. Wer das nicht tut, wird erraten. Und raten ist bekanntlich die Disziplin, in der Sprachmodelle am kreativsten sind. Wie man die eigene Sichtbarkeit in ChatGPT, Gemini und Co. angeht, ist übrigens Thema in meinem Seminar KI-Sichtbarkeit.
Und sonst?
Die Ironie dabei: Die Website sieht aus wie 1995 und redet technisch schon mit den Agenten von morgen. Schau einfach vorbei, klick dich durch die Fenster und probier den MCP-Server aus. Und wer den Papierkorb leert, findet vielleicht noch etwas.